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Kinderarbeit bei Edelmarken

Nach einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2013 arbeitet weltweit jedes sechste Kind zwischen fünf und 17 Jahren. Das sind etwa 168 Millionen, davon die Hälfte unter unzumutbaren und zum Teil gefährlichen Bedingungen. Die meisten sind in Minen und Steinbrüchen, auf Kaffee- oder Kakaoplantagen oder aber in der Textilindustrie angestellt. Vor allem in Asien, dem Pazifikraum und dem Subsahara-Gebiet sind die Zahlen sehr hoch. Dabei bestätigt sich, dass die Zahl der arbeitenden Kinder mit dem Armutsgrad des Landes steigt. In sehr armen Ländern müssen auch sehr viele Kinder arbeiten.



Zwar hat die ILO in ihrer Mindestalter-Konvention eine Untergrenze von 15 Jahren für Kinderarbeit festgelegt, durch andere Abstufungen ist diese jedoch schwierig nachzuvollziehen: Leichte Kinderarbeit ist ab 13 Jahren, gewöhnliche Arbeit ab 15 Jahren und gefährliche Arbeit ab einem Alter von 18 Jahren erlaubt. Aber wer definiert was „leicht“ und was „gewöhnlich“ ist? Immerhin für gefährliche Arbeit hat die Organisation 1999 mit dem „Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit“ eine Regelung gefunden. Alle Formen von Sklaverei, Kinderhandel, Vermittlung und Anbieten von Prostitution und Pornografie sowie illegale Aktivitäten wie zum Beispiel Drogenhandel gelten als ausbeuterisch und sind deshalb verboten.

Viele Menschen glauben, dass Kinderarbeit in der Textilindustrie die Schuld der großen Handelsunternehmen wie H&M, C&A oder Discountern wie Kik, Aldi und Lidl sei. Designersachen haben ihren Preis und deshalb werden Arbeiter bei Hugo Boss oder Tommy Hilfiger nicht ausgenutzt. Das ist jedoch ein Trugschluss. Andere, teure Marken stellen nicht zwangsläufig in anderen Fabriken in Bangladesh oder Indien her. Auch Markenartikel und Designerprodukte können unter Beteiligung von Kindern und Ausbeutung produziert sein. Ein hoher Preis verspricht nicht unbedingt eine sozial verträgliche Herstellung. Die Research Initiative for Social Equity (RISE) in Bangladesh hat aufgedeckt, was viele ahnen: Premiumlabel und Billigmarken lassen in den gleichen Fabriken produzieren, zu den gleichen unmenschlichen Bedingungen. Wie kommt es dann zu den unterschiedlichen Preisen?

Die Herstellungskosten von Textilien machen etwa ein bis fünf Prozent des Endpreises aus. Der Verkaufspreis hat dabei also nichts mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Man bezahlt viel mehr den Markennamen, die Vermarktungskosten und die Produktqualität. Ein Verzicht auf Kinderarbeit und die Einstellung von Erwachsenen zu höheren Löhnen schmälere einzig und allein die Gewinnmarge, hätte aber kaum Auswirkungen auf den Ladenpreis, erklärt Barbara Küppers, Leiterin des Referats Kinderrechte bei terre des hommes. Es ist Tatsache, dass Arbeiterinnen in Nähereien denselben Lohn kriegen, egal ob das Produkt später teuer, billig, Discounter oder Marke ist.

Auch wenn sich viele Unternehmen grundsätzlich gegen Kinderarbeit aussprechen, heißt das nicht, dass dies auch hundertprozentig stimmt. Die Schwierigkeit liegt in der Kontrolle der Zulieferbetriebe und Subunternehmen. Oftmals wird dort das sogenannte Sumangali-Prinzip angewendet. Dieses ist zwar gesetzlich verboten, in weiten Teilen Indiens aber noch sehr verbreitet. Besonders arme Familien schließen mit den Fabrikanten mehrjährige Verträge für ihre jungen Töchter. Diese erhalten einen Großteil des Lohns erst nach Erfüllung des Vertrages, oftmals als Mitgift zur Heirat. Während des Vertrages wird den jungen Frauen häufig der Kontakt zu Familie verwehrt, zudem sind sie oft Misshandlungen ausgesetzt, weshalb humanitäre Organisationen das Sumangali-Prinzip als Ausbeutung und Sklaverei einstufen.

Die Lösung ist deshalb nicht der Kauf von teurer Kleidung. Viel mehr liegt die Wichtigkeit darin, bewusster zu konsumieren, weniger zu kaufen und auf Marken und Siegel zu achten, welche faire und ökologische Arbeitsbedingungen garantieren, wie zum Beispiel dem Fairtrade Certified Cotton Siegel auf dessen Homepage man eine Liste aller Anbieter findet.

Was vielen nicht klar ist: NGO’s, die sich für Kinderrechte einsetzen, sind nicht grundsätzlich gegen Kinderarbeit, sondern für eine menschlichere Gestaltung dieser. Ein undifferenziertes Verbot dieser hilft den Betroffenen nicht weiter und hätte eine Verlagerung in die Illegalität zur Folge, da die Familien auf das Geld angewiesen sind. Die Eltern der Kinder und Jugendlichen sind oft auf Grund von Armut gezwungen arbeiten zu gehen, viele würden ihren Kindern dies nicht zumuten, würde die äußerste Not sie nicht dazu treiben und wäre die Alternative nicht, dass sie hungern müssten.

Weiter muss man festhalten, dass Kinderarbeit nicht grundsätzlich schlecht und ausbeuterisch ist. Es kommt immer auf die Form, Dauer und die Bedingungen an unter denen Kinder angestellt sind. „Eine Tätigkeit, die rechtskonform ist und die gesetzliche Mindestaltergrenze respektiert sowie weder die Gesundheit noch die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt, bezeichnen wir nicht als Kinderarbeit“, so Anna Sophie Blässer von Save the Children. Außerdem können Arbeiten, die den Schulbesuch nicht behindern, Kinder ab einem gewissen Alter auf dem Weg zum Erwachsenwerden positiv beeinflussen. Die Lösung liegt daher darin, einen Teufelskreis zu durchbrechen: Kinder, die arbeiten statt zur Schule zu gehen haben auch später keine Chance auf ein höheres Einkommen und soziale Sicherung. Das Problem vererbt sich in die nächste Generation. Eine Verbesserung der Bildungschancen in den betroffenen Ländern ist notwendig und weiter muss den Eltern ein „living wage“, das heißt ein Mindestlohn zu fairen Bedingungen gezahlt werden, damit sie nicht weiter auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen sind.

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