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Besser spät als nie

Auch Deutschland führt endlich einen gesetzlichen Mindestlohn ein

Montagmorgen, 9:00 Uhr. Marc arbeitet seit einer Stunde. Er ist Berufseinsteiger, Automobilkaufmann, und verdient brutto 8,40€ pro Stunde bei einer fast 60 Stunden Woche. „Hört sich wenig an, ist auch wenig.“ Ohne die Provisionen, die Marc pro verkauftes Auto verdient, könnte er sein Leben, inklusive Wohnung, nicht bezahlen. „Das Geld steht definitiv in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand.“ sagt der 21-Jährige Kölner. „Stand es schon in der Ausbildung nicht. 575€ netto, dafür dass ich genauso viel und mehr schufte als die fertigen Verkäufer.“ Dennoch ist der Beruf sein Traumjob. Die Affinität zu Autos hat er schon in die Wiege gelegt gekriegt: Vater und Onkel arbeiteten beide jahrzehntelang bei Ford. Dass er mit seinen 8,40€ unter dem Mindestlohn liegt deprimiert ihn trotzdem zusehends.

Deutschland ist spät dran. In 21 von 28 EU-Staaten gibt es schon einen Mindestlohn. In manchen höher (Luxemburg 11,10€), in manchen niedriger (Litauen 1,76€)-aber immer gesetzlich verankert. Nun zieht Deutschland nach: Zwischen 2015 und 2018 soll schrittweise ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden. Am 11.07.2014 wurde dem Gesetzesentwurf zum „Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie“ zugestimmt. Mindestens 8,50€ (entspricht 50% des durchschnittlichen Lohns eines Vollzeitbeschäftigten) soll ab Januar 2015 jeder Erwerbstätige brutto verdienen. Wirklich jeder?

Nach einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds sind 58% der Deutschen für einen Mindestlohn-ohne Ausnahmen. Doch Ausnahmen gibt es zu genüge: Minderjährige, Auszubildende, Pflichtpraktikanten im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums sowie freiwillige Praktikanten, die ein Praktikum machen, welches kürzer als drei Monate dauert. Außerdem Langzeitarbeitslose, die seit über einem Jahr staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Sie haben erst sechs Monate nach Wiederaufnahme einer Tätigkeit einen Anspruch auf Mindestlohn. Ebenfalls Einschränkungen gibt es für Zeitungszusteller/innen. Bei ihnen erfolgt eine schrittweise Annäherung an den Mindestlohn. Erst ab 2018 bekommen sie den dann aktuellen gesetzlichen Stundenlohn ausbezahlt.

Der Mindestlohn soll vor allem gegen zwei Phänomene in unserem Land vorgehen: Arm trotz Arbeit und Arm im Alter. Denn was viele nicht wissen: Nicht alle Hartz IV-Bezieher sind arbeitslos und nicht alle Arbeitslosengeldbezieher, die nebenbei dennoch arbeiten gehen, sind „Sozialschmarotzer“. Das Arbeitslosengeld II von 382€ dient nicht nur zur Sicherstellung des Existenzminimums, sondern in vielen Fällen auch als Kombi-Einkommen bei Personen, die von ihrem Gehalt nicht leben können. Tatsächlich waren im Juli 2012 von knapp 4,5 Mio. Hartz IV-Beziehern nur 2 Mio. Menschen wirklich arbeitslos. Alle anderen werden als sogenannte „Aufstocker“ bezeichnet. Unter ihnen: fast 465.000 Menschen über 65 Jahren, die alleine von ihrer Rente nicht leben können und ebenfalls Arbeitslosengeld II beziehen müssen. Mit Hilfe des Mindestlohns soll einer zu geringen Rente und einer daraus resultierenden Altersarmut vorgebeugt werden-für einen entspannten Lebensabend.

Ein gesetzlicher Mindestlohn hat jedoch nicht nur Vorteile für die Erwerbstätigen, sondern auch für den Staat. Durch ihn wird die obengenannte Lohnarmut verhindert, es ist keine weitere Unterstützung vom Staat mehr nötig und viele tausende Angestellte können endlich von ihrer Arbeit leben. Dies entlastet den Staatshaushalt, da es ab jetzt die Aufgabe der Unternehmen ist ein existenzsicherndes Einkommen zu zahlen. Ob dem auch wirklich nachgegangen wird? Dafür sorgt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Sie kontrolliert was gezahlt wird und geht der Sorge vieler Mindestlohngegner nach, nämlich dass sich die Zahl der Schwarzarbeiter in Deutschland erhöht.

Montagabend, 18:30 Uhr. Den ersten Tag der Woche hat Marc geschafft. Nach 10,5 Stunden darf er endlich den Heimweg antreten. Ob er denkt, dass sich sein Gehalt im nächsten Jahr ändern wird? „Ich bin mir da nicht so sicher. Dass mein Gehalt sich durch Provisionen aufstocken lässt ist mit Sicherheit wieder eine Grauzone, die mein Arbeitgeber zu umgehen weiß.“

Kommentare:

  1. Sehr schöner Blog, gefällt mir echt gut! :)
    Du studierst Journalismus? Find ich echt super, bin im Moment auch am überlegen, ob ich vielleicht in die Richtung gehen möchte. :)

    http://sheslifestyle.de.vu

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  2. Dafür nicht! :)

    Da hast du Recht! :) Bin im Moment auch dabei was geeignetes zu suchen. Würde gerne ein duales Studium machen und schau jetzt erstmal alles an, was mich interessiert, unter anderem eben auch Journalismus, vielleicht finde ich dort ja was geeignetes :) Ansonsten steht Modemanagment, Eventmanagment, Hotel- und Tourismusmanagment oder etwas in Bereich im soziale Arbeit auf dem Plan. :)

    Viele Grüße :)
    http://sheslifestyle.de.vu

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  3. Hab auch schon einiges in dem Bereich dual gefunden, aber wie du schon sagst, ist nicht nur bei dir so, dass das alles private Schulen sind. Viel zu teuer einfach - da bezahlt man im Monat um die 500€ bzw. im Jahr an die 10.000€ - wer soll das denn bezahlen? Echt schade eigentlich.

    http://sheslifestyle.de.vu

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