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Zwischen Facebook, Instagram und Candy Crush

Der erste Blick morgens. Der letzte Blick abends. Beim Essen, in der Uni, bei der Arbeit, auf der Toilette. Medienprofis, Generation Smartphone oder neudeutsch "Digital Natives". Nicht erreichbar oder connected sein-der blanke Horror für viele von uns. Aber verpassen wir dadurch nicht das Wichtigste: Unser Leben?

Der Londoner Schriftsteller Gary Turk ist in den letzten Tag mit folgendem Video in den Medien präsent:


Ähnlich wie Julia Engelmann, die durch ihren Poetry-Slam "One Day/Reckoning Text" bekannt wurde, philosophiert Turk nun auch in seinem "Look Up"-Video über das Leben-das Leben durch das Smartphone. Keine Angst-das wird kein Aufruf sein Smartphone wegzulegen. Zumindest nicht generell. Ich selber bezeichne mich auch als "smartphonesüchtig", keine Frage. Aber manchmal bin auch ich über mein eigenes Verhalten schockiert.


Letztes Jahr war ich mit meinen Freundinnen im Urlaub-Ballermann olé. Schon Wochen vorher machte ich mir Gedanken, ob ich es riskieren sollte mein Smartphone mitzunehmen, oder ob ich nicht besser auf ein Schrotthandy, bei welchem der Verlust nicht allzu sehr schmerzt, zurück greifen sollte. Das mulmige Gefühl, eine ganze Woche nicht zu Facebook, Instagram oder Whatsapp zu können, lies mich jedoch die Entscheidung treffen noch bevor die Koffer ausgepackt waren zur Rezeption zu gehen und für 10€ eine WiFi-Karte zu kaufen.

Ein paar Monate später war ich mit meiner Familie im Urlaub. Wir fuhren auf Kreuzfahrt. Als ich dieser Reise zugesagt habe war mir jedoch nicht bewusst, was das bedeutet: So gut wie 10 Tage kein Netz. Bzw. sagen wir so: Es gibt auf hoher See nur sogenannte "Meernetze", bei welchen jedoch SMS um die 1€ kosten. Vom WLAN riet mir mein Vater ab, denn er hatte es auf einer früheren Reise probiert und hatte selten bis nie Empfang (mal ganz abgesehen davon, dass auch das mehr Geld kosten sollte, als ich bereit war auszugeben). Während dem ganzen Urlaub bestand also mein Interesse darin, auf dem Schiff rumzulaufen und nach Landnetzen zu suchen. Bei Landausflügen suchte ich meist vergeblich nach freien WLAN-Netzen. Bis auf einmal: Ich glaube es war der 6. oder 7. Tag als ich plötzlich ein freies WLAN-Netz fand. An diesem Tag lebte ich wirklich nur noch in meiner Handywelt. Ich verbrachte den ganzen Nachmittag auf dem Balkon unserer Kabine und checkte alle Social Media Plattformen ab. Ich schrieb mit meinen Freunden über Whatsapp und hätte diesen Hafen am Liebsten nie wieder verlassen. Diese Abhängigkeit von medialer Kommunikation außerhalb des WLAN-Netzes kostete mich übrigens im Endeffekt über 50€ (zusätzlich zu meinen normalen Vertragskosten von 20€). Natürlich habe ich mich im Nachhinein geärgert. Aber auf der Reise war es mir einfach wichtig im Kontakt mit der "Außenwelt" zu stehen.
Oft bin ich wirklich schockiert. Sonntags morgens, ich liege mit meinem Freund im Bett. Jeder checkt erstmal sein Smartphone ab. Krank, wie ich finde, aber dennoch ändere ich nichts. Letzte Woche war mein Handy kaputt. Freitagnachmittag-das Geschäft, in welchem ich es gekauft habe, hat samstags geschlossen. Ich bin fast gestorben, habe 5 Stunden damit verbracht mein Smartphone wieder ans Laufen zu bringen-zum Glück mit Erfolg.

Manchmal frage ich mich wirklich, wie unsere Eltern das früher gemacht haben. Wir schreiben SMS, dass wir später kommen oder gar nicht, weil uns etwas dazwischen gekommen ist. Wir klingeln nicht an der Haustür-wir schreiben, dass wir davor stehen oder gleich da sein werden. Wir rufen kaum noch jemanden an, wenn er uns nicht auf eine wichtige Frage geantwortet hat-wir schicken lieber noch ein "???" hinterher.

Heute auf dem Weg zur Uni habe ich das erste Mal seit einem dreiviertel Jahr die Telefonzelle wahrgenommen, an der ich fast jeden Tag vorbeigelaufen bin-weil sie jemand benutzt hat. Ich glaube, ich habe in meinem Leben einmal eine Telefonzelle benutzt-da war ich 11 oder 12. 12-Jährige heute haben die tollsten, besten und teuersten Handys mit 1 Milliarden Apps und Spielen. Ich war damals froh, wenn ich auf dem Handy meines Vaters "Snake" spielen konnte.

Wir fotografieren unser Essen im Restaurant, machen Selfies im Badezimmer und posten, dass wir unseren Lehrer hassen. Wir kriegen Informationen am Bahnsteig nicht mit, weil wir Musik hören. Warum können wir uns nicht mehr einfach nur von den Klängen der Natur berieseln lassen? Wer weiß, wie oft wir schon der Liebe unseres Lebens begegnet sind ohne es zu bemerken-bloß weil wir Candy Crush oder Quizduell gespielt haben?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Video von Gary Turk mein Verhalten mit und Verlangen nach meinem Smartphone und Social Media nicht oder nur kaum ändern wird. Aber zumindest hat er erreicht, dass ich mir seit Tagen vorgenommen habe, meine Meinung zu diesem Thema in Worte zu fassen. Und wenn auch nur einer diesen Text bis hier unten hin gelesen haben sollte, würde ich mich freuen die Meinung desjenigen in den Kommentaren zu lesen.

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